Limbachs Krankenbesuch – eine literarische Resonanz auf wittys Grippe!

Limbach stieg leise die Treppen in den dritten Stock hoch. Er hatte sich angewöhnt, wieder Treppen zu steigen. Die drei Stockwerke schaffte er schon ganz gut. Die Tür stand offen. Ein getrockneter Kranz ehemals blauer Hortensien schmückte die Wohnungstüre. Es roch nach Frauengarderobe und nach Tee.

Nein, Limbach konnte nicht zeichnen und er wollte auch nicht. Zeichnen war nun wem anderes Domäne. Was sollte er betreten, was wem sonst eigens war, was sollte er es berühren oder sonst wie nachäffen. Er war zum ersten Mal da. Er nahm Notiz von Bildern, Garderobe, Türen zu anderen Räumen, etwas Kunst,  Moderne, Schals und Schuhe, Taschen. Er entschied sich, seine Schuhe nicht gleich schon auszuziehen, als wäre er hier vertraut zu Hause, vielmehr verblieb er, in sich entschieden, Gast. Diese Rolle war schon anspruchsvoll.

Mit der rechten Aussenhand stiess er die Türe zum Wohnzimmer weiter auf, dort wo Licht und etwas Musik herkam, es lief ein Klavierkonzert und da er in Klassik nicht bewandert war, hörte er einfach nur hin, seinen Blick durch den sich öffnenden Raum schweifend, vielmehr hinsehend, dem Öffnen einer Linse gleich, die einen Gesamtblick erweitert, um damit das Ganze zu fassen und erfassen. Er lächelte.  So kann man wohnen. Vielleicht würde kein Mann mehr hineinpassen, in dieses tunlichst gewählte Arrangement von feinen  Dingen und Erkorenem, aber doch, so kann man wohnen. Limbach mochte die Bilder nicht. Umso mehr staunte er dann aber über die hohen angelsächsischen Sofas, die sich streng gegenüber standen. Eine solche Wahl hatte er nicht erwartet und ihn beschlich der Gedanke, sie könnten noch aus der ehemaligen Ehe sein, da sie sonst niemand wollte aber der Nippes dazu passte. Zwei strenge Sofas eignen sich für Hund und Frauchen oder für Staatsverträge, Gespräche von hohem Niveau. Sie machten ihn jedenfalls glücklich.

Sie war krank. Sommergrippe. Irgendwo her und nicht wirklich nachvollziehbar, wie sowas kommen kann. Er schwor sich, weder die Hand zu geben noch zu viele Türgriffe anzufassen. Lieber einmal mehr die Hände waschen und bloss nicht ins Gesicht damit. Lieblos, aber mit einer Sommergrippe wollte er im Moment nichts zu tun haben. Sie lächelte und grüsste heiser…

Limbach entschied sich, bevor er einen Ton sagte, vom Weg ab an die Musikanlage zu treten und die Präsenz des Klavierkonzert etwas einzuschränken. Als man sich wirklich hören konnte, sagte er: „Hallo … nein lass das mal mit dem Händegeben, ich bin da“.

Jona Jakob, August 2011

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